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Klettern im Buntsandstein

in allen Facetten

Flug des Albatros 7+, Honigfels
Foto: Mathias Weck 

Viele Wege führen zum Glück

Auf den Pfaden der Pfalz ist es möglich, die gesamte, mehr als 100-jährige Entwicklungsgeschichte unseres Sports exemplarisch nachzuvollziehen. Zeitlose Tradition trifft auf moderne Kletterkultur, oft direkt nebeneinander, alles zusammen am gleichen Felsen. Ob nun klassisch oder zeitangepasst – die unterschiedlichen Erschließungsstile garantieren einzigartige Erlebnisse, Herausforderungen und Perspektiven – und nicht zuletzt die Freude am Gipfel.

Die Übergänge zwischen den einzelnen Stilen sind fließend. Mit dieser Klassifizierung möchten wir das breite Spektrum der Klettereien hier im Buntsandstein vorstellen und dazu beitragen, dass jeder Besucher auf seine Kosten kommt.
Eine große Unterstützung zur Einschätzung der jeweiligen Routen bieten lokale Kletterführer, die sowohl die Ernsthaftigkeit einer Route als auch deren Absicherung klar beschreiben. Aktuelle Routeninformationen sind in der Tourendatenbank auf www.XoXs.de zu finden. So können auch Gebietsneulinge die vielfältigen Pfalz-Routen erobern.

Hinweis zur Kletterpraxis in der Pfalz

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  • Klettern in der Pfalz lässt sich nicht mit typischen Sportklettergärten gleichsetzen. Viele Routen müssen selbst oder zusätzlich eigenständig abgesichert werden. 
  • Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass Klettern gefährlich sein kann und Fehler tödliche Folgen haben können. Eine fundierte Ausbildung und entsprechende Erfahrung wird vorausgesetzt.
  • Wir übernehmen keinerlei Haftung für Unfälle und Schäden an Personen, die durch das Klettern entstehen.
  • Da es sich um Naturfels handelt, ist dieser ständigen Witterungseinflüssen und der Vegetation ausgesetzt. Es können sich immer wieder lose Gesteinspartien bilden oder brüchige Bereiche vorhanden sein. Zusätzlich weisen seltener begangenen Routen Sand- und Geröllschichten auf. Moose und Flechten können das Gestein bedecken und die Reibung beeinträchtigen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, eine Reinigungsbürste mitzunehmen, um relevante Tritte freizubürsten.
  • Es kann nicht vorausgesetzt werden, dass der Fels überall fest und solide ist. Besonders nach Regenfällen bleibt der oberflächlich trocken wirkende Sandstein feucht und ist dadurch instabil.
  • Die hier aufgeführten Routen stellen Beispiele dar und sind keineswegs als Empfehlungen zu verstehen. Unter Umständen handelt es sich um ernsthafte Routen, in denen ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch weite Stürze bestehen kann. Von daher ist die eingehende Auseinandersetzung mit den einzelnen Touren einerseits und einer gesunden Selbsteinschätzung andererseits unabdingbar.
  • Wie wünschen tollen Klettergenuss, unvergessliche Gipfelerlebnisse und allzeit unfallfreies Klettern.

 

Clean

Abenteuerklettern vom Feinsten

Zu den Besonderheiten des Kletterns in der Pfalz gehören zweifelsohne die cleanen Routen, die komplett mit mobilen Sicherungen selbst abgesichert werden müssen, was den soliden Umgang mit Friends, Keilen und Schlingen unabdingbar macht. Trad erstbegangen wurde in allen Epochen der Pfälzischen Klettergeschichte: durch die frühen Erschließer, die „Knibbler“ der klassischen Periode oder den „Männer ohne Nerven“ der Sportkletteravantgarde. Selbst in jüngster Zeit finden sich immer noch Menschen, die diesen Stil bewusst pflegen, sei es wegen ihrer sportethischen Einstellung oder ihrer mentalen Abgebrühtheit. Dadurch wird selbst die Besteigung eines einfachen Normalwegs zu einem intensiven und unvergesslichen Erlebnis – Abenteuer inklusive.

  • Normlweg (Braut & Bräutigam)
  • Lochweg, Dornen-, Eichen- und Nordriss (Hochstein)
  • Östlicher Riss zum Band (Hundsfels)
  • Theoturm-Normalweg und Bockverschneidung (Lämmerfelsen)
  • Normalweg (Stuhl)
  • Westgrat-Abseilriss (Asselstein)
  • Südverschneidung (Backelstein)
  • Fingerrissdach (Schulerturm)
  • Erstersteigerweg (Friedrichturm)

Klassisch

Klassisch

In vielen klassischen Kletterrouten aus den Jahren 1930 bis 1970 herrscht die pfalz-typische, gemischte Absicherung vor. An den schweren Kletterstellen finden sich zumeist Ringe, doch treten diese oft erst in größerer Höhe und weisen großzügige Abstände zueinander auf. Sehr spährlich beringte Routen sind keine Seltenheit. Auch hier geht ohne ein gut sortiertes Rack am Gurt nur selten etwas. Viele dieser Routen wurden in früheren Jahren technisch bezwungen und bieten heute gute Freiklettereien. Die Routen sind in sämtlichen Schwierigkeitsgraden anzutreffen und erfordern neben einem souveränen Umgang mit mobilen Sicherungen auch ein Gespür für die besonderen Eigenschaften des Sandsteins.
Trotz – oder gerade wegen – der Herausforderung, sich mit dieser besonderen Art des Kletterns auseinanderzusetzen, erfreuen sich diese Touren großer Beliebtheit.

  • Neue Südwand und Südostkante (Asselstein)
  • Pfeilerweg und Alte Westwand (Trifels)
  • Juniwand (Dingentalturm)
  • Maitrauer  (Rötzenstein)
  • Pfeilerweg (Burghaldefels)
  • Herbstroute (Backelstein)
  • Große Südwand (Büttelfels)
  • Talwand (Schulerturm)
  • Götterverschneidung (Fladensteine)
  • Franz-Seiler-Gedächstnisweg (Jungfernsprung)
  • PK-Kante, Frühlingsweg und Herbstwand (Hochstein)
  • Klosterwand (Klosterfels)
  • Lutzverschneidung (Nonnenfels)
  • Nordwand (Sternfels)
  • Falkenweg und Direttissima (Pferchfeldturm)
  • Alte Südwand, Neue Südwand, Großer Riss, Große Verschneidung, Drei-Dächer-Weg (Durstigfelsen)
  • Große Südwand (Dürrensteine)
  • Talwand (Adelsnadel)

Modern

Ende offen

Ab den 2000er-Jahren wurden die Touren zunehmend athletischer und weisen deutlichen Sportkletter-Charakter auf. Ausbouldern und Projektieren sind angesagt und Stürze sind möglich – allerdings in gut abgesicherten Bereichen. Dank der deutlich höheren Bohrhakendichte stellt das nun weniger Probleme dar. Zusätzlich lässt sich erwähnen, dass dadurch auch längere, anspruchsvollere Abschnitte besser zugänglich werden, wenngleich die Verantwortung beim Kletternden bleibt.
Seit Beendigung der Richtungsstreitigkeiten in den früher 1980er Jahren geht der Erschließungstrend sukzessive hin zu Routen mit immer besserer Fix-Absicherung, gleichmäßiger verteilten Ringen und höchstens noch gelegentlichem Mobil-Einsatz. Dabei ist schön nachzuvollziehen, was frühe Sportkletterer als gute Sicherung ansahen und was die Mehrzahl heute darunter versteht. Die neusten Kreationen sind fast durchweg „modern“ gesichert. Vereinzelt wurden auch Nachrüstungen vorgenommen, Clip-Positionen verbessert oder Abstände homogenisiert. Das Projektieren ist einfacher geworden und die Folgen von Stürzen kalkulierbarer.
Die Liste der Must-Dos ist lang und reicht von Genuss-Sechsern und -Siebenern über eine wahre Fülle guter Achter und Neuner bis zu den echten HighEndern (der Pfalz).

  • Utopia, A Hard Day, Claude und Lola (Asselstein)
  • Hans guck in die Luft und La Cubera (Fladenstein)
  • Wintermärchen (Schindharder Kuckucksfels)
  • Reibeisen und Reibekuchen (Büttelfels)
  • Studentenweg und Walpurgisnacht (Jungturm)
  • Jahreswechsel, Konzentrolle und Entfruster (Has)
  • Tuxedomon und Gegen den Strom (Buchholzfels)
  • Kleiner Mann, Hai, Magnetfinger, ZEC (Burghaldefels)
  • Fotoface (Luger Friedrich)
  • Leberknödel (Rötzenstein)
  • Im Westen nichts Neues und Talwand (Nonnenfels)
  • Zirkelweg, Sanduhrendrama, Ochsenfahrt (Honigfels)
  • Solaris, Putzteufel, Herr der Ringe, Tatort (Hochstein)
  • Topspin (Heidenpfeiler)
  • Fred-Frey-Gedächtnisweg (Heidenkammern)
  • Niemandsland, Superlative, Renaissance, Manege frei (Bruchweiler Geierstein)
  • Spiel der Geister, Weg zum Glück, Hauch von Kunst und Denkmalpflege
    Parkverbot, Havanna Club und Cruz Campo (Durstigfelsen)

Richtlinien -Achtung Platzhalterbild!

Natur bewahren – Freiheit schützen

Mit zunehmender Beliebtheit des Klettersports und dem damit verbundenen immer größer werdenden Andrang an den Felsen, aber auch der unterschiedlichen Herangehensweisen an unseren Sport, ist es nötig, bestimmte Verhaltensregeln abzustimmen. Denn die Freiheit und Kreativität des Kletterns sollen unter Schonung der Natur weitgehend erhalten bleiben.

„Mir lossen nix oobrenne — außer die Fingerkuppe“